Die weltweite Macht der kapitalistischen Konzerne übt auch bestimmenden Einfluss auf unser Ausbildungssystem aus, werden hier doch die Arbeitskräfte von morgen herangezogen. Es wird auch klar und deutlich, dass unsere Schulen dazu dienen, die kapitalistische Propaganda der Herrschenden in die Köpfe der Jugendlichen zu tragen. Wunschdenken, dass sich der Bereich der Bildung eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber der Privatwirtschaft erhalten könnte, entsprechen nicht der Realität.
Dieses System zielt darauf ab, die in unserer Gesellschaft bestehende soziale Trennung auch im Zugang zu Bildung aufrecht zu erhalten. So wird qualitativ hochwertige und umfassende Bildung zu einem Privileg einer kleinen Oberschicht gemacht. Nur ihre Kinder können dieses Privileg genießen und werden so zur neuen Elite, die künftig unser Staats- und Wirtschaftsleben lenken soll, herangebildet. Diese Selektion beginnt schon früh: Bereits nach der Volksschule wird mit der Einteilung in Mittelschule und Gymnasium häufig der gesamte Bildungsweg bestimmt.
Diese frühe Aufteilung ist sinnlos. An Berufsschulen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen kommt Allgemeinbildung oft zu kurz. Gymnasien wiederum bieten keine Berufsausbildung oder vermitteln keine / (kaum) praktische Fertigkeiten. Beide (Aus-)Bildungsformen können nicht das gesamte Spektrum von dem abdecken, was Bildung sein muss.
Jedoch hören mit dieser Trennung die Probleme im Bildungssystem noch lange nicht auf. Öffentliche Schulen sind finanziell ausgehungert, was sich in einem Mangel an Lehrer:innen, veralteter Ausstattung und inadäquaten Schulgebäuden äußert. Dieser Mangel an Finanzierung wird häufig durch Sponsoring, welche die Schulen abhängig machen, ausgeglichen, oder an die Eltern weitergegeben. Selbstbehalte bei Schulbüchern, Materialkosten, Fahrtkosten belasten vor allem sozial schwächere Familien. Sie erhöhen den sozialen Druck auf viele Jugendliche, nach der Pflichtschulzeit arbeiten zu gehen oder hindern sie daran, an Aktivitäten wie Exkursionen teilzunehmen.
Dazu kommen auch noch Kosten für Nachhilfe, welche sich viele Eltern nicht leisten können. Nachhilfe ist wahrscheinlich eines der klarsten Zeichen, dass in unserem Bildungssystem etwas grundlegend falschläuft. Denn es sollte den Schulen möglich sein, allen Jugendlichen die Förderung zu bieten, die sie benötigen, um ein Fach zu bestehen.
Die Reichen kümmern die Probleme im Bildungssystem wenig, denn sie können sich für ihre Kinder Privatschulen und Nachhilfe leisten. Als Kommunist:innen treten wir für kostenlose und gleiche Bildung für alle ein und lehnen Privatschulen daher ab. Das gilt auch für konfessionelle Privatschulen. Religionsunterricht soll ersetzt werden durch einen allgemeinen Ethikunterricht, in dem alle Weltreligionen, aber auch materialistische Weltanschauungen wie der Marxismus gleichberechtigt gelehrt werden.
Was die Schulausbildung im Konkreten betrifft, so müssen hier zunächst die an den Schulen praktizierten Formen der Wissensvermittlung hinterfragt werden. Zu den heute immer noch gängigen Problemen zählen übermäßiger Frontalunterricht in überfüllten Klassenräumen, mangelnde Mitsprachemöglichkeiten der Schüler:innen sowie Leistungsdruck durch ständige Tests und Prüfungen nach einem überholten und absurden Benotungssystem sowie der Fakt, dass Schüler:innen mit Behinderungen oft in Sonderschulen gesteckt werden, mit deren Abschluss sie keinen Job finden können. Dies führt nicht nur dazu, dass der Schulalltag von den meisten Jugendlichen als höchst unangenehm empfunden wird, es ist auch ineffektiv. Demgegenüber treten wir für die Nutzung fortschrittlicher und moderner Lehrmethoden ein. Dazu gehören beispielsweise Gruppenarbeit und projektbezogenes Lernen sowie die Abschaffung des momentanen Beurteilungssystems. Klar ist dabei, dass für solche Unterrichtsformen auch die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Das beinhaltet z. B. deutlich höheren Verhältnis von Lehrer:innen zu Schüler:innen sowie eine Aufwertung und Intensivierung der pädagogischen Fähigkeiten und Kenntnisse der Lehrer:innen, sowie eine allgemeine Entlastung des überforderten Lehrkörpers.
Unter diesen Bedingungen könnte die Schule auch ihre soziale Funktion wahrnehmen, das heißt z.B. sinnvolle Freizeitaktivitäten anbieten, eine Anlaufstelle für Jugendliche bei Problemen darstellen sowie durch aktive demokratische Teilhabe am Schulgeschehen solidarische Umgangsformen vermitteln.
Wir als Kommunist:innen haben eine andere Herangehensweise zu Bildung, als unser aktuelles Bildungssystem: Für uns soll sie erstens eine umfassende Vorbereitung auf möglichst viele Bereiche der Produktion und Arbeitswelt darstellen, zweitens eine Vorbereitung auf das Leben und die Gesellschaft bieten und drittens einer umfassenden Entwicklung der Persönlichkeit dienen. Dies muss Bildung allen Jugendlichen bieten können. Es braucht Bildung und Ausbildung, die die Zusammenhänge und Funktionsmechanismen des alltäglichen Lebens in unserer Gesellschaft durchleuchtet. Die Bildung in Geistes- genauso wie in Naturwissenschaften bietet. Eine solche Bildung und Ausbildung würde es uns ermöglichen, die Welt, in der wir leben, zu verstehen und sie auch nach unseren Vorstellungen und Bedürfnissen zu verändern.
Eine besondere Stellung im Bildungssystem nimmt die Lehre ein. Diese sogenannte „duale“ Ausbildung ist die parallele Ausbildung in Berufsschule und Betrieb. Nirgendwo im Bildungsbereich tritt der Charakter des kapitalistischen Staates und der Konzerne so offen auf. Der weitaus größere Teil der mangelhaften Ausbildung findet in den kapitalistischen Betrieben selbst statt und ist somit unmittelbar nach Kapitallogik organisiert. Was zählt, ist nicht der Ausbildungsnutzen für Lehrlinge, sondern der Profit für das Unternehmen.
Während die Wirtschaftskammer regelmäßig über den Fachkräftemangel jammert, finden Jugendliche in gewissen Branchen oft keine Ausbildungsstelle. Lehrlinge müssen je nach Wirtschaftslage auch mit Arbeitslosigkeit kämpfen, was ihre Situation weiter verschärft.
Gerade angesichts der heute immer häufigeren, meist erzwungenen Wechsel des Arbeitsplatzes und der Arbeitsanforderungen, ist besonders bei der Lehre die Ausbildung in „Flächenberufen“ notwendiger denn je. Das heißt eine fundierte Fachausbildung in Bezug auf ein breiteres Berufsbild oder benachbarte Berufe. Ansätze in diese Richtung werden jedoch viel zu wenig entwickelt und verallgemeinert. Darüber hinaus braucht es dringend einen besseren Kündigungsschutz.
Auch sind die Weiterbildungsmöglichkeiten nach einer absolvierten Lehre sehr begrenzt. Für viele Jugendliche sind sie schon wegen des zeitlichen Aufwands problematisch. Die finanziellen Kosten machen sie für einen weiten Teil der Jugendlichen unzugänglich. Auch schaffen weder die Berufsschule noch die Polytechnische Schule eine angemessene allgemeine Bildung. Der Druck im Beruf hindert viele Lehrlinge am Erwerb der Matura. Beides sorgt dafür, dass nur wenige Lehrlinge später einmal ein Studium belegen können.
Unser Ziel: Die polytechnische Gesamtschule
Der polytechnische Grundgedanke ist die Idee der Verbindung von Allgemeinbildung und Berufsausbildung. Der Widerspruch zwischen beidem soll aufgehoben werden. In einer gemeinsamen Schule mindestens bis zur 9. Schulstufe sollen alle Schüler:innen sowohl eine allgemeine Bildung bekommen als auch eine praktische Ausbildung und beruflich relevante Fähigkeiten erwerben. Berufspraktika dienen zur Anwendung und Veranschaulichung dieser Fähigkeiten sowie zur Berufsorientierung. Mittels Wahlfächer und modularer Fächer können sich Schüler:innen in ihre Interessensgebiete vertiefen und für sie beruflich relevante Fähigkeiten erwerben.
Die polytechnische Gesamtschule hebt die frühe Trennung in Mittelschule und Gymnasium auf. Sie verringert damit soziale Selektion und bietet allen jungen Menschen eine vollständige Kombination aus Bildung und Ausbildung. Durch sie wird es möglich, theoretisch-geistige und praktisch-technische Fähigkeiten zu erwerben. Die Trennung zwischen Hand- und Kopfarbeit in unserer Gesellschaft wird geringer. Die allgemeinbildende Kombination aus Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften helfen, die Welt zu verstehen – eine Notwendigkeit von emanzipatorischer Bildung.
Mit dieser Integration des Ausbildungssystems ins allgemeine Bildungssystem, der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und damit der Ausbildungsstätten, sowie der Verstaatlichung der Privatschulen kann die Bildung endgültig der Logik des Kapitalismus entzogen werden.
Hochschulbildung im Kapitalismus
Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen und Wartelisten sind in Österreich schon zum studentischen Alltag geworden. Unsere Hochschulen werden schon lange kaputtgespart, was sich in schlechten Betreuungsverhältnissen, Konkurrenzdruck und mangelnder Förderung der Forschung niederschlägt. Darüber hinaus müssen immer mehr Studierende neben dem Studium arbeiten und leben prekär. Auch mangelt es an demokratischen Mitbestimmungsrechten der Studierenden.
Wir setzen uns daher für die Ausfinanzierung der Hochschulen und die soziale Absicherung der Studierenden ein. Genauso braucht es eine vollständige Reform der Hochschulgesetze. Das durch die Bolognareform eingeführte System aus ECTS und Bachelor-/Masterstudiengängen zwingt allen Studiengängen eine starre Struktur auf. Genauso wird das Arbeitspensum mit ECTS beziffert, welche völlig willkürlich ermittelt werden. Das Ziel der Bolognareform war nie, das Hochschulsystem zu verbessern, sondern Studierende mit oft ungenügenden Bachelorabschlüssen schnell auf den Arbeitsmarkt zu bringen.
Für die Bildung von morgen kämpfen!
Notwendig, um ein besseres Bildungssystem zu erreichen, ist der organisierte Kampf aller Schüler:innen und Studierenden, das gemeinsame Auftreten im Bund mit der Arbeiter:innenschaft. Als Kommunist:innen sehen wir es deshalb als zentral an, uns am Kampf gegen Bildungs- und Sozialabbau zu beteiligen, sich gegen alle Bemühungen, erkämpfte demokratische Rechte auszuhöhlen, zu stellen und für ein frei zugängliches, modernes, und demokratisches Bildungssystem zu kämpfen. Hierfür zu kämpfen und junge Menschen dafür zu organisieren ist eine Kernaufgabe einer kommunistischen Jugendorganisation.
Zentral ist hierbei die politische Arbeit der KJÖ in und an den Schulen, den Schüler:innenvertretungen und Schüler:innenbewegungen sowie der Kampf für die Interessen von Lehrlingen in den Gewerkschaften. Gemeinsam mit dem Kommunistischen Studierendenverband arbeiten wir am Aufbau einer Studierendenbewegung, welche für die soziale Absicherung der Studierenden und eine hochwertige Bildung kämpft.