Im kapitalistischen System hat Profitmaximierung grundsätzlich die höchste Priorität. Sollen auch andere Ziele wie Umweltschutz erreicht werden, funktioniert das nur, solange es die Profitinteressen der Unternehmen nicht gefährdet. In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass trotz weitreichender und internationaler Bemühungen nur unzureichende Maßnahmen durchgesetzt worden sind. Eine dauerhafte Lösung des Problems ist somit nicht vor der Überwindung kapitalistischer Verhältnisse möglich und nur mit einer sozialistischen Planwirtschaft zu bewerkstelligen.
Doch kann die Wende hin zu einer ökologischen und nachhaltigen Produktionsweise nicht vollständig auf den Sozialismus verschoben werden. Die Möglichkeit der Auslösung von sogenannten „Kippelementen“ im Erdklimasystem konfrontiert uns heute mit der Möglichkeit eines von der Erderhitzung bedingten gesellschaftlichen Zusammenbruchs. Dieser Klimawandel ist selbstverständlich menschengemacht und die Menschheit hat nur mehr begrenzte Zeit, hier gegenzusteuern.
Konzerne statt Individuen in die Verantwortung
Oft wird versucht, die Schuld für den Klimawandel auf die individuellen Konsumenten und ihr mangelndes Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schieben. Dieses Verständnis ermöglicht es Großkonzernen, sich aus der Verantwortung zu ziehen, während sie weiterhin bewusst umweltzerstörende Produktionsweisen anwenden, um möglichst billig produzieren zu können. Gleichzeitig sehen sich große Teile der Bevölkerung tagtäglich mit hohen Preisen für nachhaltige Produkte, die sie sich einfach nicht leisten können, konfrontiert. Eine Verarmung der Arbeiter:innenklasse mit dem Argument des Klimaschutzes ist nicht zu akzeptieren, solange Konzerne Jahr für Jahr Rekordgewinne einfahren.
Eine Umstellung des Konsumverhaltens ist zwar zu begrüßen, jedoch ohne Umstellung der Produktionsverfahren ein Tropfen auf dem heißen Stein. Eine massenhafte Aufnahme einer nachhaltigen Lebensweise wird gegenwärtig zusätzlich von Unternehmen bewusst gehemmt, indem sie mit ihren Marketingstrategien Bedarf für unnütze und klimafeindliche Produkte generieren, oder ihre Produkte so entwerfen, dass sie nach kurzer Zeit ersetzt werden müssen, um wieder neue Produkte verkaufen zu können.
Gegen blinde Wachstumskritik und Ökofaschismus
Das Problem der Umweltzerstörung wird nicht durch das Zurückfahren zivilisatorischer Errungenschaften gelöst; seine Lösung ist gerade durch den hohen Stand von Wissenschaft und Technik möglich. Das ziellose Streben nach Wachstum im Kapitalismus ist zwar zu kritisieren, jedoch ist der Gedanke nach einer Rückkehr zu einer technologisch primitiveren Gesellschaft vehement abzulehnen.
In der Klimabewegung gibt es auch anderes Gedankengut, welches abzulehnen ist. So gibt es beispielsweise Gruppen, die sich in ihrer Verzweiflung angesichts der bevorstehenden Klimakatastrophe zur Ausübung von Gewalt gegen Teile der Arbeiter:innenklasse hinreißen lassen. Auch Strömungen, die den Kampf für eine heile und ursprüngliche Umwelt mit einer rassisch reinen Bevölkerung vereinen, haben an Einfluss gewonnen. Es muss sich bedingungslos gegen diese reaktionären Aspekte der Klimabewegung gestellt werden und der Kampf für Umweltschutz auf die Basis des Klassenkampfs gebracht werden. Die KJÖ lehnt den Mythos einer Überbevölkerung der Welt und der damit verbundenen Schlussfolgerung, die Welt sei ohne den Menschen eine bessere, entschieden ab. Der Ausweg aus der Klimakrise ist der Weg nach vorne, der Weg in eine sozialistische Gesellschaft.
Es ist gerade eine höher entwickelte Gesellschaft, die den Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Lebensweise ökologisch umzugestalten und gleichzeitig die Lebensqualität mit anzuheben. Wir müssen also keinesfalls zurück auf die Bäume, um die Umwelt zu retten. Dazu müsste es in der Wirtschaft aber endlich zu einer umfassenden Adaption von klimafreundlichen Technologien kommen, welche im Moment von den Spielregeln des Kapitalismus gebremst wird.
Möglichkeiten dafür gäbe es genug. So können Umweltschäden aufgrund des Güterverkehrs durch die Verlagerung des Transports von der Straße auf die Schiene verringert werden. Das Müllproblem kann durch konsequente Einführung biologisch abbaubarer Stoffe abgeschwächt und in der Energiegewinnung kann von schadstoffausstoßender Verwendung fossiler Brennstoffe wegorientiert werden.
Energiegewinnung
Die „Liberalisierung“ des Strommarktes sorgt für eine Verschärfung der Konkurrenz und fördert damit die profitableren, umweltschädlichen Formen der Energieerzeugung, während alternative Möglichkeiten der Energiegewinnung aus Kostengründen zu wenig forciert werden. Die Privatisierung des Strommarktes muss rückgängig gemacht und die Energiewirtschaft in öffentliche Hand zurückgeführt werden. Zur Stromerzeugung müssen diese staatlichen Unternehmen zur Fokussierung auf umweltverträgliche Formen wie Wasserkraft, Solar- und Windenergie verpflichtet werden.
In Österreich wären die Bedingungen für eine klimaschonende Energiegewinnung sehr gut und obwohl der Großteil des lokal erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien stammt, werden rund zwei Drittel des Energiebedarfs aus dem Ausland importiert. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um fossile Brennstoffe. Das in Österreich bestehende Potential von nachhaltiger Energiegewinnung muss besser genutzt werden und die Abhängigkeit von umweltschädlichen Energieträgern aus dem Ausland muss reduziert werden.
Verkehr
Obwohl bekannt ist, dass der Schadstoffausstoß des Verkehrs die Luft besonders belastet, wird durch von Profitinteressen gesteuerte Stilllegung der Nebenstrecken der Güterverkehr weiter von der Schiene auf die Straße verlegt. Die Auswirkungen der profitorientierten Führung des öffentlichen Verkehrs zwingt die Menschen dazu, sich weiterhin auf das Auto zu verlassen.
Öffentliche Verkehrsmittel sollen für alle Menschen kostenlos sein. Im Moment ist das Öffi-Netz aber viel zu wenig gut ausgebaut, um tatsächlich für die Mehrheit der in Österreich lebenden Menschen eine Alternative darzustellen. Wir fordern ein flächendeckendes öffentliches Verkehrssystem, so dass man auch in weniger dicht besiedelten Teilen Österreichs ohne Auto auskommt. Auch in Sachen Gütertransport ist der Status quo ungenügend. Die große Anzahl von LKWs auf den Straßen könnte durch Ausbau des Schienennetzes verringert werden.