Die Freiheit einiger weniger, Mensch und Natur gegen das Gemeinwohl bis zur Zerstörung auszubeuten, ist die Ursache für den Zwang, dem die Mehrheit der Menschen in Schule und Arbeit ausgesetzt sind, und der Grund für den Mangel an Möglichkeiten, individuell und kollektiv selbstbestimmte Entscheidungen für ihr Leben zu treffen.
Unwissenheit und Mangel an Bewusstsein dient den kapitalistischen Verhältnissen. Die “Zerstörung der Vernunft” (Lukács) und damit der Freiheit wird von den Herrschenden auch aktiv vorangetrieben. Dies geschieht sozial durch Vereinzelung, politisch durch Spaltung und Entsolidarisierung und ideell durch Individualitätskult, der als Freiheit verkauft wird. Medial geschieht dies durch “flooding the zone with shit” (wie der Trump-Berater Steve Bannon es ausgedrückt hat), also allen Arten von Fake News und ideologisch durch postmodernen Wissenschafts- und Wahrheitsrelativismus sowie offene Propaganda. In dieser wird Freiheit als individuelle Einstellung verkauft, so dass jeder Mensch, der noch so unter Zwang leidet und unwissend ist, sich frei fühlen kann, solange er brav konsumiert, gehorcht und sich ablenken lässt.
Zu dieser Propaganda gehören natürlich auch Feindbilder, gerade mit Bezug auf die Freiheit. Prinzipiell gelten alle Länder, die versuchen, andere als kapitalistische gesellschaftliche Verhältnisse zu schaffen, für die westlichen Länder als unfrei, in jüngerer Zeit aber insbesondere China.
China – Aufstieg und Erneuerung
China – das hat auch die Pandemie stark gezeigt – ist ein ökonomischer und in zunehmendem Maße gesellschaftlicher Konkurrent des Westens. Dass China in nicht wenigen Aspekten mit den westlichen Industrienationen bereits nicht nur mithalten kann, sondern es inzwischen Bereiche gibt, in welchen die Volksrepublik führend wird, zeigen unter anderem technische Errungenschaften wie Photovoltaik und 5G-Patente, der immense Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur und nicht zuletzt der schnelle und effektive Umgang mit der Pandemie.
In dieser Konkurrenzsituation ist wie zu Zeiten des Kalten Krieges Freiheit wieder ein Kampfbegriff geworden. Dem Westen dienen das chinesische politische Modell, das Social-Credit-System und die strengen Maßnahmen der Pandemiebewältigung als Beweise von Unfreiheit.
Der klassische griechische Philosoph Aristoteles (384–322 vor unserer Zeitrechnung), der zur geistesgeschichtlichen Tradition des Marxismus gehört, formuliert die Freiheitsproblematik so: “Als unfreiwillig gilt, … was unter Zwang und auf Grund von Unwissenheit geschieht. Dementsprechend darf als freiwillig das gelten, dessen bewegendes Prinzip in der/dem Handelnden selbst liegt, wobei der/die Handelnde ein volles Wissen von den Einzelumständen der Handlung hat.”
Chinas politisches Modell, jene Bereiche, in denen ein Social-Credit-System zur Anwendung kommt, und die Pandemiebekämpfung werden entgegen der westlichen Propaganda nicht mit Zwang und Unwissenheit umgesetzt.
Nach einem Jahrhundert der Erniedrigung durch Fremdherrschaft, Kolonialismus und Imperialismus und faktischer Unfreiheit wurde mit der chinesischen Revolution und der Ausrufung der Volksrepublik 1949 der Grundstein für den unvergleichlichen Aufstieg und die Erneuerung Chinas gelegt. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten ist die Volksrepublik von einem der ärmsten und rückständigsten Länder der Welt unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas zu einem relativ entwickelten Industrieland geworden. Das neue China besiegte Hunger und Analphabetismus, hob hunderte Millionen Menschen aus der Armut und schuf sich eine umfassende sozioökonomische Infrastruktur, die seiner riesigen Bevölkerung ein – wenn auch noch moderat wohlhabendes, so doch – menschenwürdiges Leben garantieren kann.
In China wird zumindest versucht, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen gegründete Mündigkeit und “Wissen von den Einzelumständen” zu vermitteln sowie die “Fähigkeit, mit Sachkenntnis entscheiden zu können” (Engels). Das verdeutlichen die von westlichen Studien ungläubig zutage geförderten hohen Zustimmungs- und Beliebtheitswerte für die chinesische Regierung und ihre Politik (mit denen keine westliche Regierung auch nur annähernd mithalten kann).
Die unvergleichliche Schnelligkeit seiner Entwicklung verdankt China seiner dynamischen und immer bewusster werdenden Bevölkerung, die aufgrund der wachsenden materiellen, kulturellen und wissenschaftlichen Möglichkeiten mehrheitlich immer aktiveren Anteil an der Gestaltung von Ökonomie, Gesellschaft und Natur nimmt. Diese Zunahme an Gestaltungsmöglichkeit in der Welt, die über China hinausstrahlt, gilt unabhängig davon, wie man die aktuellen durchaus widersprüchlichen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse Chinas einschätzen mag.



