Die Geschichte Lateinamerikas ist geprägt von ausländischer Einmischung und imperialistischer Unterdrückung. Insbesondere die Vereinigten Staaten haben den Subkontinent seit dem 19. Jahrhundert als ihren “Hinterhof” betrachtet und mit militärischer Gewalt, wirtschaftlichem Druck und geheimdienstlichen Operationen die Geschicke der lateinamerikanischen Völker bestimmt.


Kuba

Kuba hatte seit seiner Unabhängigkeit von Spanien 1898 zu den kontinuierlichen Vasallenstaaten der USA gezählt. Sämtliche politische und wirtschaftliche Institutionen und Infrastruktur waren vollkommen abhängig von US-amerikanischen Konzernen eingerichtet worden. Aufrechterhalten wurde das System durch die weiter vorherrschende Unterdrückung der kubanischen Bevölkerung mit von den USA abhängigen Regierungen, darunter die grausamen Diktaturen Gerardo Machados und Fulgencio Batistas.

Mit einem nachhaltigen Verlust der kleinen Karibikinsel wäre nicht nur ein wichtiger Punkt geopolitischer Strategie an sowjetischen Einfluss verloren gegangen – es wäre auch viel investiertes Geld verloren gegangen.

In der späten Batista-Zeit vor der Revolution hatte es vermehrt Versuche gegeben, Kuba gewissermaßen in ein riesiges Las Vegas zu verwandeln. Mit einem massiven Ausbau von Casinos, Bars und Bordellen kam eine erstaunlich innige Beziehung zur organisierten Kriminalität der USA zustande. Um diese Vergnügungsmeile für reiche Amerikaner:innen nicht zu verlieren, initiierte die CIA die Operation in der Schweinebucht, bei der ausgebildete Exilkubaner landen und einen Guerillakrieg beginnen sollten. Daraufhin sollte eine aus Miami eingeflogene Exilregierung eingesetzt werden, um die Regierung Castros zu stürzen.

Der Plan missglückte. Nach nur zwei Tagen waren alle Angreifer gefasst. John F. Kennedy bestritt anfangs sämtliche Beteiligung an der Operation, musste dann aber doch volle Verantwortung für die Aktion eingestehen. Das bereits 1960 durch Präsident Eisenhower verhängte völkerrechtswidrige wirtschaftliche Embargo Kubas wurde daraufhin 1962 durch Kennedy nochmals erweitert. Bis heute leidet die kubanische Bevölkerung darunter. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, welches die USA 1945 bei den Vereinten Nationen mitunterzeichnet hatten, wurde auch hier durch die bewusste Nicht-Anerkennung der Eigenständigkeit der kubanischen Bevölkerung und verdeckte Interventionen nicht eingehalten.

Chile – Putsch Augusto Pinochets

Nach mehreren Jahren politischer Instabilität war 1970 der sozialistische Politiker Salvador Allende auf demokratischem Wege zum Präsidenten Chiles gewählt worden. Seine Amtszeit war gezeichnet von nachhaltigen Reformen: Unter anderem wurden Kupferminen verstaatlicht, Großbanken und weitere Industriebetriebe enteignet sowie eine Agrarreform durchgeführt.

Da die Reformen einen hohen Verlust an Einnahmen, sei es finanziell oder durch billig gewonnene wertvolle Ressourcen oder politischen Einfluss für die USA bedeuteten, entschied sich das amerikanische Außenministerium unter Henry Kissinger, mittels massiver Geheimdiensttätigkeiten durch die CIA die Bedingungen für einen Putsch gegen die sozialistische Regierung zu schaffen. Mit US-amerikanischem Steuergeld wurde massive Propaganda gegen linke chilenische Gruppierungen betrieben. Das ohnehin schon sehr instabile Chile sollte in eine Wirtschaftskrise getrieben werden.

Bis zum Jahr des Putsches hatte die US-Regierung auf diese Weise über 13 Millionen US-Dollar ausgegeben. Als dann am 11. September 1973 Augusto Pinochet seinen Putschversuch startete, waren alle Bedingungen für einen Sieg geschaffen. Zehntausende Menschen mussten flüchten, tausende wurden systematisch ermordet oder verschwanden in Foltergefängnissen. Das Fußballstadion von Santiago de Chile wurde zu einem Foltergefängnis umfunktioniert. Ab 1977 war praktisch jede Form von Opposition im Land komplett vernichtet. Der gesamte Ausbau der Diktatur war begleitet von Kontakten mit der CIA. Auch hier wurde offensichtlich das Selbstbestimmungsrecht der Völker massiv hintergangen.

Die hier dargestellten Beispiele zeigen die brutale Kontinuität des US-Imperialismus in Lateinamerika. Der Kolonialismus nimmt im jetzigen Spätkapitalismus seine brutalste Form an. Rassismus und kapitalistische Ausbeutung führen dabei bis heute zu unzähligen Opfern.