“Dieses Produkt solltest du aber wirklich nicht kaufen, es ist schlecht für die Umwelt” und “das liegt in der Verantwortung der Verbraucher:innen” sind wohl Sätze, mit denen wir alle schon mal konfrontiert wurden. Immer mehr Menschen greifen beim Einkauf nach der “fairen” Alternative, die zwar meist viel teurer ist, aber für ein besseres Gefühl sorgen soll. Man will bloß nicht das Falsche kaufen, schlechte Arbeitsbedingungen und Tierleid unterstützen oder sogar am Klimawandel Mitschuld haben.
Klimaschutz durch “richtiges” Einkaufen?
In vielen Fällen mag es Sinn machen, nicht das Erstbeste zu kaufen, was der Supermarkt zu bieten hat, auch mal kein Billigfleisch in den Einkaufswagen zu legen, Elektrogeräte oder Autos zu mieten statt zu kaufen. Aber was ändert sich denn tatsächlich, wenn wir unser Kaufverhalten anpassen? Es scheint, als wäre individuelle Konsumkritik schon längst an die Stelle von gesellschaftlicher Kapitalismuskritik gesetzt worden. Es geht im Diskurs viel mehr darum, was DU tun kannst, um etwas zu ändern. Da läuft aber etwas falsch, denn der Kapitalismus zeichnet sich nicht grundsätzlich durch unsere Konsumptionsweise aus, sondern durch seine Produktionsweise, die nur auf Vermehrung von Profit aus ist. Die Produktion ist nicht an den Bedürfnissen der Verbraucher:innen orientiert, sondern nur an der Gewinnerwartung der Kapitalist:innen. Ganz abgesehen davon hat der überwiegende Teil der Menschheit gar keine Möglichkeit, derartige Entscheidungen zu treffen. Diesen Luxus, Zeit und Geld für nachhaltigere Konsumentscheidungen, hat nur der wohlhabendere Bevölkerungsteil westlicher Staaten.
Der ökologische Fußabdruck
Mit der “Erfindung” des ökologischen Fußabdrucks und später der Werbekampagne “Beyond Petroleum” des Mineralölunternehmens BP sowie der Veröffentlichung des Rechners für individuelle CO2-Emissionen wurde die Verantwortung für die Klimakrise nach unten abgegeben. Um den Druck der Umweltorganisationen auf die Ölkonzerne abzulenken, wurde lieber darauf gesetzt, den oder die Einzelne:n zur Rechenschaft zu ziehen.
So konnte man die Schuld abgeben an die, die mit dem Auto an den weit entfernten Arbeitsplatz fahren, anstatt auf Busse und Zug umzusteigen. Oder an die, die von ihrem zusammengesparten Geld in den Familienurlaub fliegen. Zwischen europäischen Facharbeiter:innen und vietnamesischen Reisbauern liegen natürlich auch Welten. Wenn Stars und Sternchen mit dem Privatjet anreisen, werden sie kaum zur Verantwortung gezogen.
E-Mobilität - die Welt retten?
Der Diskurs über E-Autos dürfte keiner verpasst haben. Elon Musk, seine überteuerten Fahrzeuge und das umstrittene Verbrenner-Verbot 2035 sind medial präsent genug. Man möchte klimaneutrale Mobilität, bei der kein CO2 aus fossilen Brennstoffen ausgestoßen wird.
Gelobt werden der minimale CO2-Ausstoß, der geräuscharme Motor und die geringen Betriebs- und Unterhaltskosten. Die Kehrseite dazu ist der Fakt, dass bei der Berechnung der Umweltbilanz das “Tank to Wheel” Prinzip angewendet wird. Es geht also nur um den lokalen CO2-Ausstoß. Die Stromerzeugung und die Herstellung des Fahrzeuges werden selten miteinbezogen.
Das größte Problem ist hierbei der Akku, denn für diesen benötigt man Lithium. Der Abbau dieses Rohstoffes ist ein großer umweltschädlicher Faktor und führt zum Beispiel in ganzen Landstrichen zur Wüstenbildung. Dort, wo Lithium abgebaut wird, sterben Menschen. Die Arbeiter:innen schürfen unter furchtbaren Bedingungen, es herrscht Einsturzgefahr der tiefen Stollen und um die sowieso geringe Bezahlung in den oftmals illegalen Minen werden sie von Zwischenhändlern betrogen. Um sich Lithiumvorkommen zu sichern, schrecken Konzerne und Regierungen auch nicht zurück, den einen oder anderen Putsch zu veranstalten.
E-Autos sind auch nicht ungefährlich. Die Brandgefahr ist ähnlich hoch wie bei Autos mit Verbrennungsmotor, jedoch sind Akkus im brennenden Zustand unlöschbar. Die sehr hohen Anschaffungskosten, die den Großteil der Bevölkerung abschrecken, und die vielen technischen Probleme machen E-Autos leider nicht zum Klimaretter. Der Fokus sollte vielmehr auf dem Ausbau der öffentlichen Infrastruktur liegen.
Die Grüne Partei und der Klimaschutz?
Kritik an der Grünen Partei zum Thema Klimaschutz ist schon längst in den bürgerlichen Medien angekommen. Spätestens nach der Wahl sollte aber allen bewusst werden, dass die Grünen das Thema bis auf ein paar kleine Ausnahmen verwerfen und sich dem Koalitionspartner und der Industrie unterordnen. Die ÖVP sagt, man müsse mit dem Klimawandel leben lernen? Dann wird das so hingenommen und wie so oft werden alle Kernpunkte der Wahlversprechen abgesägt.
Selbst da, wo es Möglichkeiten gäbe, wird nicht gehandelt. Die Interessen der Konzerne sind da viel wichtiger. Anstatt den Klimawandel an der Wurzel zu packen, wird darauf gesetzt, mit kleinen Reformen und natürlich ohne Kapitalismuskritik dem Pariser Klimaabkommen zu entsprechen. Egal wie hoffnungslos und dilettantisch die Versuche sind, die Klimaziele zu erreichen.
Anstelle von Schuldzuweisung und Abgabe der Verantwortung nach unten brauchen wir eine starke antikapitalistische Klimaschutz-Bewegung, denn gemeinsam mit Kapitalisten, die nur ihre eigenen Interessen vertreten, wird man keine Lösung finden!



