Der Klimawandel heizt aufgrund von Treibhausgasemissionen unseren Planeten immer weiter auf. In der Folge droht die weitgehend flächendeckende und dauerhafte Zerstörung des menschlichen Lebensraums. Um den Klimawandel radikal zu verlangsamen und langfristig zu stoppen, müssen wir weltweit, aber vor allem in den Industriestaaten, unsere gesellschaftliche Produktionsweise von fossilen Energieträgern wie Öl, Erdgas oder Kohle auf alternative Energiequellen umstellen. Wie weit sind wir dabei? Ist ein erfolgreicher und vor allem rechtzeitiger Umstieg in unserem Wirtschaftssystem überhaupt möglich? Und ist ein Umstieg in der Energieerzeugung alleine ausreichend?
Status der Energiewende in Österreich
Man sollte meinen, wir in Österreich lebten aufgrund der günstigen geografischen Lage im Land der Seligen und müssten uns daher keine Gedanken um die Energiewende machen. Ja, es stimmt, 75% unseres Stromverbrauchs werden aktuell schon durch erneuerbare Energieträger – hauptsächlich Wasserkraft – gedeckt. Jedoch wird oft vergessen, dass die Stromerzeugung nur für ca. 20 % des Gesamtenergiebedarfs verantwortlich ist, während die Sektoren Mobilität und Wärme 30% bzw. 50 % Anteil am Bedarf haben.
In Summe führt das dazu, dass in Österreich momentan nur ungefähr ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs durch klimaneutrale Energieträger gedeckt wird, während zwei Drittel nach wie vor fossil produziert werden. Besonders im Mobilitätssektor müsste der öffentliche Verkehr massiv ausgebaut werden, um den Energieverbrauch zu senken.
Die ohnehin nur schleppend vorankommende Energiewende wird durch die aktuelle Energiekrise stark zurückgeworfen. Da man sich hierzulande aufgrund politischer Rivalität von russischem Gas abwendet, werden nun neue Lieferverträge für fossile Rohstoffe mit Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Aserbaidschan oder den USA abgeschlossen. Dass diese ebenfalls ihre wirtschaftlichen Interessen mit militärischen Mitteln durchsetzen – im Jemen, gegen Armenien, oder im Falle der USA in vielen Ländern überall auf dem Erdball – wird dabei gerne unter den Tisch gekehrt.
Technische Herausforderungen
Um fossile Energieträger aus den Sektoren Wärmeerzeugung und Mobilität zu verdrängen, gibt es aktuell nur zwei ernstzunehmende Mittel, die auch im großen Stil bzw. in Industrieanlagen funktionieren können: Strom und Wasserstoff, wobei Letzterer aber zur Produktion wieder Strom benötigt. Dadurch wird sich der österreichische Strombedarf verdoppeln und dieser Strom muss dann konsequenterweise aus klimaneutralen Quellen gespeist werden – eine Verdreifachung der aktuellen Kapazität.
Da mögliche Standorte für große Wasserkraftwerke schon größtenteils genutzt werden, müsste vor allem der Anteil an Solar- und Windenergie, Geothermie oder unter Umständen Atomkraft massiv ausgebaut werden. Dies würde auch zu einer erheblichen Mehrbelastung des Stromnetzes führen. Schätzungen zur Folge fehlen 200 Umspannwerke, 12.000 Trafostationen und 40.000 km Leitungen, um die Energiewende zu realisieren.
Eine weitere Herausforderung entsteht durch den qualitativen Unterschied zwischen fossilen Energieträgern bzw. Sonne und Wind: Ihre Leistung ist stark abhängig von Wetter, Tages- und Jahreszeit und steht nicht unbedingt dann zur Verfügung, wenn der Bedarf am höchsten ist. In unserem Wechselstromnetz ist die Umstellung auf Erneuerbare ohne grundlastfähige Wasser- oder Atomkraftwerke bzw. Energiespeicher wie Wasserstoff oder Speicherkraftwerke schon technisch unmöglich, da sonst ein überregionaler Zusammenbruch des Netzes (= Blackout) mit verheerenden Folgen droht.
Klimawandel als Klassenfrage
Die kapitalistische Wirtschaftsweise ist die Hauptursache der Klimakrise. Der ständige Wachstumsdrang und die damit einhergehende Überproduktion wurde und wird hauptsächlich durch Verfeuerung fossiler Energieträger ermöglicht. Ein Angebot an 20 verschiedenen Smartphones oder 100 unterschiedlichen Automodellen ist wohl eher ein Produkt der Profitmaximierung als Ausdruck gesellschaftlicher Bedürfnisse.
Imperialistische Kriege dienen u. a. der Eroberung neuer Absatzmärkte für die Überproduktion aus den industrialisierten Staaten und verursachen selbst gigantische Mengen an Treibhausgasen – alleine die US-Armee stößt mehr CO2 aus als das Land Schweden. Auch die unzähligen Datacenter von Google, Facebook und Co., die unsere persönlichen Daten zu Werbezwecken verwalten, beschleunigen die Erderwärmung durch ihren ungeheuren Stromhunger.
Weltweit werden ca. 50 % der CO2-Emissionen von den reichsten 10 % der Bevölkerung verursacht und auch in Österreich stößt das reichste Prozent 15 mal so viele Treibhausgase wie eine Durchschnittsperson. Ein Lebensstil mit Privatjets, Superjachten und gigantischen Luxusvillen ist also schon rein aus einer Klimaperspektive nicht haltbar. Darüber hinaus wird der Klimawandel von der herrschenden Klasse auch oft als Vorwand genutzt, um die Umverteilung von unten nach oben voranzutreiben. So wird die geplante CO2-Steuer ärmere Haushalte deutlich stärker belasten als Wohlhabende.
Wir sehen also, dass uns die Energiewende vor gewaltige Herausforderungen stellt und der starke Zeitdruck die Situation nicht einfacher macht. Eine Entwicklung klimafreundlicher Technologien wird durch den Kapitalismus gebremst, da dieser durch seine Monopoltendenz Innovation aktiv hemmt – wie Lenin schon vor über 100 Jahren richtig erkannt hat.
Fazit
Eine Umstellung auf eine Art des Wirtschaftens, die unsere Lebensgrundlagen nicht zerstört und sich stattdessen an unseren Bedürfnissen orientiert, wird innerhalb des ständig nach Wachstum und Ausbeutung lechzenden Kapitalismus nicht möglich sein. Um die Energiewende zu schaffen und letztendlich unser Überleben zu sichern, müssen wir schleunigst weg von der anarchischen Marktwirtschaft hin zu einem zentral geplanten und demokratisierten Wirtschaftssystem. Diese Einsicht ist ein Grund mehr, um stärker denn je für eine fortschrittliche und gerechte Gesellschaftsform zu kämpfen – für den Sozialismus!



