Im März 2021 – lange vor dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine – veröffentlichte der Kölner Stadtanzeiger: “Rheinmetall will Öko-Panzer bauen”. Armin Papperger, Chef des größten Rüstungskonzerns Deutschlands, mit Ablegern in Österreich, jubelte: “Wir haben ein erstes elektrisches Militärfahrzeug. Im nächsten Jahr planen wir ein Radfahrzeug mit Hybridantrieb”.


Die Aktionäre des Rüstungskonzerns sind Gewinner des Ukraine-Krieges. Im März 2023 verkündete Papperger ein neues Allzeithoch beim Nettogewinn von 535 Millionen Euro (plus 61 Prozent) und 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Das sei erst der Anfang, so die Berliner Morgenpost. Denn die westliche Welt bestelle Flugabwehrsysteme, Panzer und vor allem Munition.

Die “grüne” Rüstungsindustrie zeigt den Zynismus und die Verkommenheit des kapitalistischen Systems. Denn Waffen und Waffensysteme sind niemals umweltfreundlich. Ihr Zweck ist die Zerstörung von Menschen und Infrastruktur, ihr in Kauf genommener sogenannter “Kollateralschaden”, die Zerstörung von Umwelt und Klima.

Herstellung

Schon 2018 zeigt die UN-Energiestatistik, dass in Deutschland bei der Produktion von Waffen 32.000 Tonnen CO2 anfielen, 8.700 Tonnen entstanden bei der Herstellung von Kampffahrzeugen. Weitere Herstellungsemissionen verstecken sich in anderen Kategorien: Kampfflugzeuge fallen unter die Rubrik Luft- und Raumfahrzeugbau, Schuss- und Artilleriewaffen tauchen in den Kategorien Reparatur von Metallerzeugnissen und Installation von Maschinen auf. Der Grundstoff vieler Waffen, der emissionsrelevante Stahl, wird bei der Eisen- und Stahlproduktion verbucht.

Neta Crawford von der Boston University berichtete, dass die Emissionen des US-Militärs größer seien als die von Dänemark, Schweden oder Portugal. Sie kam zu dem Ergebnis, dass im Haushaltsjahr 2018 das US Verteidigungsministerium 56 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen zu verantworten hatte. Rechnet man noch den jährlichen CO2-Fußabdruck der US-Rüstungsindustrie hinzu, würde der jährliche CO2-Ausstoß sogar über 200 Millionen Tonnen betragen. Sie schätzt, dass die bei der Produktion von Waffen anfallenden Emissionen 15 Prozent der gesamten industriell verursachten Treibhausgase der USA ausmachen.

Sechs Prozent der globalen Emissionen

Stuart Parkinson, Direktor der Scientists For Global Responsibility, hat errechnet, dass die globalen Emissionen von Militär und Rüstungsindustrie etwa fünf Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes der Welt ausmachen. Inkludiere man die Auswirkungen von Krieg und die damit einhergehende Umweltzerstörung, so könnten es sechs Prozent sein. Noch nicht inkludiert seien dabei die Menge an Zement, Stahl und anderen Baustoffen, die man benötige, um Städte wieder aufzubauen.

Forscher:innen gehen in der Fachzeitschrift Nature davon aus, dass der tatsächliche Ausstoß des globalen Militärs sogar dreimal so hoch sein könnte. Denn die bisherigen Studien haben einen Haken: Sie basieren auf Schätzungen. Insgesamt kursieren kaum belastbare Zahlen zu militärischen Emissionen. Der “CO2-Stiefelabdruck” von Militär, Krieg und Rüstungsindustrie wird systematisch ausgeblendet. Die nationalen Streitkräfte müssen keine Rechenschaft darüber ablegen, von der Berichterstattungspflicht des Pariser Klimaschutzabkommens sind sie explizit ausgenommen. Durchgesetzt haben das militärische Supermächte wie die USA – aus Gründen der “nationalen Sicherheit”. Wären die Streitkräfte der Welt ein Staat, so stünde ihr CO2-Fußabdruck an vierter Stelle, direkt hinter den USA, China und Indien.

Schon vor dem Krieg

Schon vor dem Krieg haben Militärapparate einen hohen Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen. Ein Leopard 2-Panzer verbraucht im Gelände bis zu 530 Liter Treibstoff auf 100 km und ein F-35-Kampfjet setzt mit einer Tankladung 28 Tonnen Treibhausgase frei.

Bei der Kriegsübung Air Defender 23, einer “Verlegeübung von Luftstreitkräften” im europäischen Luftraum, wurden in nur 11 Tagen so viel Tonnen CO2 freigesetzt, wie von einer Kleinstadt in einem ganzen Jahr. Rund 10.000 Soldaten aus 25 Staaten mit 230 Flugzeugen (davon 100 aus den USA) waren Teil dieser Übung. Mehr als 200.000 Tonnen CO2 wurden emittiert.

Im Krieg

Der Ukrainekrieg ist eine Katastrophe für Umwelt und Klima. Internationale Forscher berechneten, dass er bereits im ersten Jahr so viele Emissionen verursachte wie ein Land wie Belgien im gleichen Zeitraum, nämlich 120 Mio. Tonnen in CO2-Emissions-Äquivalenten.

Im März 2023 veröffentlichte das Watson-Institut eine Übersicht über die finanziellen und menschlichen Kosten, die die USA in 20 Jahren Krieg im Irak und in Syrien (2003–2023) bezahlt haben, sowie die dabei verursachten Kohlendioxidemissionen. Bis zu 122 Millionen Tonnen Treibhausgase wurden durch US-Militäroperationen im Kriegsgebiet ausgestoßen, das entspricht bis zu 15 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen des US-Verteidigungsministeriums in diesem Zeitraum.

Klimaschutz der Grünen

Wer von Klimaschutz spricht, wie die Grünen, darf vom Militarismus nicht schweigen: Kriege und militärische Hochrüstung bringen den Aktionär:innen Höchstprofite, schaden Klima, Umwelt und Menschen. Das dringend für die Bekämpfung der Klimakrise benötigte Geld wird stattdessen in enorme Aufrüstungs- und Militärprogramme gesteckt. Diese werden als Instrumente imperialistischer Staaten gebraucht, um die Interessen der jeweiligen Kapitalfraktion weltweit durchzusetzen. Es geht ihnen um geostrategische und -ökonomische Einflusszonen (die US-Regierung hat 750 Militärstandorte weltweit), um den Zugang und den Einfluss auf Rohstoffe, Märkte und billige, aber qualifizierte Arbeitskräfte.

Diesen Auftrag erfüllen die jeweiligen Regierungen im Interesse der herrschenden Klasse. Spitzenpolitiker:innen der Grünen in Deutschland wie Baerbock oder Habeck sind Beispiele dafür, dass ihnen Klimazerstörung durch Verlängerung des Krieges, durch massive Waffenlieferungen oder auch durch Flüssiggastransporte völlig egal ist. Auch österreichische Grüne wie Kogler befürworten Waffenlieferungen dieser Staaten. Wir aber brauchen eine Politik im Interesse der Arbeiter:innenklasse, keine Politik, die die Interessen der Herrschenden “grün” verwaltet. Deshalb brauchen wir Waffenstillstand, Abrüstung und Frieden.