Die reaktionärsten Kreise der österreichischen Bourgeoisie, hauptsächlich ten Kreise der kapitalistischen Klasse. Andererseits legte er auf Grundlage dieser Bestimmung die Volksfrontorientierung fest. Diese sah vor, dass die kommunistischen Parteien weltweit die breitest möglichen antifaschistischen Bündnisse mitorganisieren sollten, die neben der Sozialdemokratie auch fortschrittliche Elemente aus anderen Gesellschaftsschichten inklusive nicht-faschistischer Kreise des Bürger- und Kleinbürgertums integrieren zu versuchen sollten.
Nach dem Februar 1934 (und eben noch vor dem 7. Weltkongress) öffnete sich die KPÖ organisatorisch für die von der Sozialdemokratie enttäuschten Kräfte, sowie bündnispolitisch für antifaschistische Gruppen außerhalb der Arbeiter:innenbewegung. Damit gewann die KPÖ eine relativ breite Basis und wurde der entscheidende Faktor im antifaschistischen Kampf, den sie von Beginn des Aufkommens des österreichischen bis zur Niederringung des deutschen Faschismus in Österreich konsequent anführte.
Neben der unmittelbaren Geschichte der fortschrittlichen und insbesondere der kommunistischen Bewegung in Österreich bildete der Zugang der KPÖ zur nationalen Frage eine entscheidende weltanschauliche Grundlage für den antifaschistischen Widerstand.
Nach dem Ende der Monarchie und der Gründung der Republik war in weiten Teilen der Bevölkerung unklar, welchen nationalen Status Österreich haben sollte. Dem vom relativ mächtigen multikulturellen und vielsprachigen Imperium unter der Herrschaft der reaktionären Habsburger übriggebliebenen vergleichsweise kleinem Österreich mangelte es an einem Bewusstsein seiner selbst.
In einem großen Teil des politischen Spektrums war die Meinung weit verbreitet, dass Österreich ein zwar (noch) abgetrennter aber doch ein Teil der deutschen Nation sei. Demgemäß wollte der erste Kanzler der Ersten (und erste Präsident der Zweiten) Republik, der Sozialdemokrat Karl Renner, im Entwurf der provisorischen Verfassung den neuen Staat “Südostdeutschland” nennen (“konsequenterweise” befürwortete er später den Anschluss an Nazi-Deutschland). Auch Hans Kelsen, der maßgebliche Autor der österreichischen Verfassung, sprach vom Wunsch Österreichs, “aufzugehen im deutschen Vaterland”. Die schlimmste Deutschtümelei wurde freilich von der Großdeutschenpartei betrieben, die nach dem Anschluss in der NSdAP aufging (beide Parteien sind Vorläufer der FPÖ). Die Christlichsozialen vertraten ebenfalls die Ansicht, “gut österreichisch ist gut deutsch”, wie es Dollfuß’ Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg formulierte.
Diese Zugänge zur Nation griffen ausschließlich auf sprachliche (obwohl es in Österreich auch in der Zwischenkriegszeit bedeutende nicht-deutschsprachige Teile der Bevölkerung gab) und reaktionäre “schicksalsgemeinschaftliche” Kriterien zurück.
Die KPÖ entwickelte im Laufe der 1930er Jahre eine fortschrittliche Position zur nationalen Frage aus dem Zusammenhang der Gegnerschaft gegenüber des von den anderen Parteien vertretenen reaktionären Österreichbildes, ihrer politischen Erfahrungen im auch damals vielsprachigen und multikulturellen Österreich und den aus dem 7. Weltkongress gezogen Lehren der internationalen kommunistischen Bewegung. Zu letzteren gehörte mit der Volksfrontorientierung eben die Einsicht, dass gerade aufgrund des Internationalismus und gemeinsamen weltweiten Widerstandes gegen den Kapitalismus und seine schlimmste Form, den Faschismus, die nationalen Bedingungen jedes Landes und Umstände jeder Region von der kommunistischen Bewegung und ihren Verbündeten in ihrem Kampf verstanden und ihnen gemäß gehandelt werden müsse.
So entwickelten die österreichischen Kommunist:innen die wissenschaftliche Grundlage für das Verständnis der nationalen Eigenständigkeit Österreichs als eine von Deutschland sozio-ökonomisch-historisch wie sprachlich-kulturell getrennte Nation, was federführend von Alfred Klahr formuliert wurde. Im Rahmen dieser Zugangsweise wurden von der KPÖ in der Geschichte Österreichs einerseits die fortschrittlichen Elemente wie Vielsprachigkeit und Multikulturalität sowie Ereignisse wie die Bauernaufstände des 16. und 17. Jahrhunderts, die bürgerliche 1848-Revolution, der Kampf gegen Krieg und für die Republik hervorgehoben; andererseits wurde versucht, auch an Traditionen anzuknüpfen, die eine fortschrittliche Aufhebung (im dreifachen Sinne von überwinden, bewahren, auf höhere Stufe heben) zuließen, wie gewisse Elemente der Volks- sowie der bürgerlichen Kultur.
Mit dieser Orientierung war die KPÖ nicht nur weltanschaulich gerüstet, dem österreichischen Faschismus von 1933-1938 und, nach dem Anschluss – dem deutschen Faschismus von 1938-1945 mit einer relativ breiten Mobilisierung entgegenzutreten, sondern auch bündnispolitisch und organisatorisch.
Zum Autor: Prof. Dr. Hannes Fellner ist Sprachwissenschafter und beschäftigt sich mit der Geschichte der österreichischen Arbeiter:innenbewegung.



